Ein Lob der Faulheit!

Ich möchte mich hiermit öffentlich und offiziell outen: Ich bin faul! Stinkfaul! Ich bin eigentlich auch zu faul, hier einen Artikel zu schreiben. Eigentlich zu faul, um überhaupt einen Blog zu haben. Immerhin muss ich meine Finger bewegen.

Ich bin wirklich äußerst faul und extrem bequem, warum das so ist, weiß ich nicht. Ich musste meiner Mutter immer im Haushalt helfen, wurde dazu angehalten, mein Zimmer aufzuräumen, hab als Kind täglich draußen gespielt, selbst im Regen und hatte nie ein Problem damit, mich schmutzig zu machen. Trotzdem hasse ich Aufräumen (es sieht doch 2 Tage später eh wieder aus wie vorher?!?!?), drücke mich extrem gekonnt vor Arbeit, wenn ich sie nicht mag und habe öfters schon mehr Aufwand betrieben, um etwas erledigt aussehen zu lassen, anstatt es einfach zu machen.

Ich bin so faul, wenn ich nicht nach etwa einer Minute ein Gefühl von Todesangst bekommen würde, würde ich aufhören zu atmen. Wisst ihr eigentlich, wie anstrengend das Atmen ist? Das Perfide an der Atmung ist ja, dass sie schwerer und deshalb auch anstrengender wird, wenn man sich anstrengt. Deshalb strenge ich mich ungern an, den dann wird das Atmen auch schwieriger wird.

Faulheit bringt viele Vorteile mit sich: Man muss weniger machen, man sieht schneller angestrengt aus, weil man Arbeit nicht gewohnt sind, was wiederum den Eindruck weckt, dass man ständig schwer am Arbeiten ist.

Faulheit entspannt! Ich wache täglich auf und denke mit einem innerlichen Lächeln (ein äußerliches wäre vor dem Kaffe untragbar) über all die unerledigten Dinge nach, die meiner noch harren. Ich liege auf einem weißen Laken, das über eine weiche Matratze gespannt ist, gedanklich noch halb in meinem Traum, in dem ich alles erledigt habe, was ich je zu erledigen gehabt habe und lächle. Innerlich. Meine Faulheit lässt mich 2 Wochen lang genießen, was andere in 2 Stunden abschließen. Ich zerlege jede Aufgabe in ihre einzelnen Bestandteile, bis herunter zum Atomkern des Schaffens und fühle mich wie Gott, der überlegt, was passiert, wenn er Eva statt aus einer Rippe aus keiner Rippe oder gar nicht formt. Ich sinniere über die Auswirkungen meines (Nicht)Handelns, darüber, ob mich mein Nichtstun von Verantwortung entbindet oder mir welche aufbürdet und denke gleichzeitig darüber nach, dass ich jetzt endlich aufs Klo gehen sollte, bevor meine Blase einen Riss bekommt und sich innerlich entleert, was mich ja nicht entleeren würde und woraufhin ich trotzdem noch aus Klo müsste. Allein die Zeit die ich brauche, um mein Gehirn diesen Gedanken fassen zu lassen, fügt meiner Pinkeldrangintensitätsskala, die ich selbst nach vielen Jahren Erfahrung errechnet und auf meine eigenen Bedürfnisse zugeschnitten habe, den Tropfen hinzu, der die Blase beinahe zum Überlaufen bringt. Also rappel ich mich auf und rappe geistigen Nonsens während ich es gerade noch rechtzeitig auf die Toilette schaffe, was mich der Verantwortung einer gründlichen Bodenreinigung enthebt. Noch während ich mich dem erlösenden Gefühl von nachlassendem Druck hingebe, darauf achtend, nicht zu schnell meinen flüssigen Ballast loszuwerden, um einer Taucherkrankheit der Blase vorzubeugen, klingelt mein Wecker, dessen Schlummertaste die teuflischste Erfindung der Menschheit ist und den Weltuntergang mitverursachen wird. Ich halte mir die Ohren zu, weil die Spülung und der Wecker so früh am Morgen meine Trommelfelle strapazieren wie ein Sumoringer ein Kindertrampolin und bin froh, als der Wecker endlich gurgelnd im Abfluss verschwindet und mich von dem garstigen Geräusch befreit, dass mich daran erinnert, dass ich schon wieder viel zu spät dran bin. Ich begebe mich schlurfend und gähnend in die Küche, um mir den ersten Kaffee von vielen einzuschenken und bin froh, dass ich meine Bohnen nicht selbst mahlen oder malen muss.

Müde checke ich mein Handy nach SMS oder sonstigen Nachrichten. Keine da, schließlich schreibt mir niemand, seit jeder weiß, dass ich oft zu faul zum Antworten bin und erst recht, um mir dann auch noch Ausreden einfallen zu lassen, warum genau ich nicht zurückgeschrieben habe.

Schließlich klappe ich den Laptop auf und bestelle im Internet einen neuen Wecker – Premium-Versand natürlich – und scrolle mich durch Facebook und Twitter, während ich meinen lauwarmen Toast genüsslich in dem Tempo eines LKWs beim Elefantenrennen auf der Autobahn verspeise. Ich like dies und kommentiere das, gähnend und mit verquollenen Augen und versuche, nicht auf die Augenringe zu achten, die mich in der Spiegelung des Laptop-Displays an meine Müdigkeit und mein warmes, weiches Bett erinnern.

Nach diesem Prozess bin ich langsam bereit, mich zumindest dem Schein nach an den Rest der mich umgebenden Gesellchaft anzupassen und zu arbeiten. Dies nimmt meist soviel meiner Energie in Anspruch, dass ich nach vollbrachtem Tagwerk nur noch für mindere geistige Arbeiten wie bloggen und lesen zu haben bin.

Und jetzt mach ich erst mal ein Mittagsschläfchen!

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